Asya Korablina

Ich wurde in Kiew geboren. Meine Mutter, Großmutter, Urgroßmutter, mein Großvater , alle sind in Kiew geboren. In der Familie der Großeltern wurden elf Kinder geboren, fünf von ihnen überlebten. Vor dem Krieg hatten sie ihre eigene Bäckerei. Als der Krieg ausbrach, verließ die Familie Kiew. Alle außer meiner Großmutter und einer Schwester. Meine Mutter hatte drei Kinder, mich eingeschlossen. Der Vater wurde an die Front eingezogen. Meine Mutter hat es geschafft, uns bis zu einem aserbaidschanischen Dorf Mets Shen in Nagorny-Karabach zu bringen. Wir lebten dort bis zum Ende des Krieges. Mama sagte immer, dass die Armenier und Aserbaidschaner sehr nette Leute sind, sehr freundlich.

Großmutter blieb in Kiew, weil sie Lungenentzündung hatte und war nicht in der Lage evakuiert zu werden. Mit ihr ist eine ihrer Töchter mit Kindern geblieben. Sie dachten, dass ihnen mit drei Kindern nichts geschehen wird. Aber es geschah so, dass sie alle erschossen wurden.

Der Bruder meiner Mutter kämpfte an der Front, wurde verwundet und bekam zehn Tage Urlaub. Er ging nach Kiew und erfuhr dort von der schrecklichen Tragödie. Er schrieb dann in einem Brief an meine Mutter, als wir noch in Evakuierung lebten: „… Etwas Schlimmes ist uns widerfahren: unsere Mutter und Zilja (Schwester) mit ihren drei Kindern wurden von faschistischen Bestien in Kiew in Babij Yar erschossen.“

Als wir aus der Evakuierung zurückkamen, gingen wir zum Babij Yar. Wir haben nichts gesehen. Es gab noch kein Denkmal. Es gab nur einen tiefer Graben, der zugeschüttet war. Wir haben diesen Ort oft mit meiner Mutter besucht. Zur Eröffnung des Denkmals kamen meine Cousins mit ihren Kindern aus vielen Städten. Es kamen auch viele Menschen aus vielen Städten und Ländern. Alles war sehr feierlich und schön.

In Kiew, im Jahr 1991, wurde ein Buch der Erinnerung veröffentlicht. Das hieß „Gewidmet den Opfern von Babij Yar.“ In der Liste der Opfer sind meine Großmutter und Tante aufgeführt.