Willkommen auf Erinnerung Lernen

„Erinnerung lernen“ ist ein transnationales zivilgesellschaftliches Projekt zur Entwicklung von Materialien und Formaten für eine jüdische Erinnerungsarbeit in der Ukraine. Zur Zeit reist das Projekt mit einer mobilen Mahn-und Gedenkstätte an die Opfer der Shoa und eigenen Materialien durch sieben ukrainische Städte. In Lviv, Kremenets, Krementschuk, Odesa, Chernivsti, Tscherkasy und Charkiv werden vor allem junge Menschen und Pädagogen, aber auch die Öffentlichkeit angesprochen. 
Gemeinsam mit ukrainischen Partnern entwickeln die Projektverantwortlichen der Jüdischen Gemeinde Düsseldorfs konkrete Werkzeuge für eine aktive ukrainisch-jüdische Erinnerungskultur.
Ziel ist es an den Orten der Shoa in der Ukraine konkrete Erinnerungsarbeit zu unterstützen, bestehende Angebote und neue Initiativen zu vernetzen und konkrete ukrainisch-sprachige Materialien für die Arbeit mit Pädagogen, mit Jugendlichen und Jungen Erwachsenen zu erstellen und den Einsatz zu testen.
 
Konkrete Pilotprojekte in Düsseldorf, Chernivsti, Kiew, Kremenets, Uzhgorod und Vinnitza werden aktuell durchgeführt und evaluiert.
Die aktuellen Orte und Initiativen wurden im Rahmen des Vorgänger Projektes „Wege der Erinnerung“ im Rahmen des 75 Jährige Gedenkens an Babyn Jar und Kamjanez-Podilsky gefunden und ausgewählt. Sie sind alle besonders von der „Shoa durch Erschießen“ betroffen, für die die Katastrophe von Babyn Jar stellvertretend steht.
Aktuell wurden unsere Ausstellungen in Krefeld, Chernivsti und Tscherkasy präsentiert, im November folgt noch Charkiw.

Die Motivation

Wer an den Holocaust denkt, hat vor allem den Horror der nationalsozialistischen Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau, Majdanek oder Treblinka vor Augen. Aber der Massenmord an den Juden durch Erschießungen steht weniger im Fokus. Dabei forderten diese Morde bereits 1941 unzählige Opfer, lange bevor der fabrikmäßige Massenmord die Regel wurde. Zahlreiche Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf haben bei diesen Massakern Verwandte verloren.
Erinnerungsarbeit bedeutet nicht nur, der Opfer der Shoah zu gedenken, sondern auch an die vielfältige jüdische Kultur zu erinnern. Darum entwickeln wir mit unseren ukrainischen Partnern Formate, die auch die lokale Geschichte und Persönlichkeiten zum Gegenstand machen.
In „Erinnerung lernen“ geht es um den zwischenmenschlichen Austausch zwischen Zeitzeugen und Nachfahren, um interkulturelle und interreligiöse Begegnungen, und diese festzuhalten für eine Zeit, in der es keine Zeitzeugen mehr geben wird.
So ist Erinnerungsarbeit auch Zukunftsarbeit, denn nur durch sie können die Weitergabe alter Vorurteile und Ressentiments verhindert und Wissenslücken geschlossen werden.

Materialien und Formate

Produziert werden sollen u.a. eine Wanderausstellung „Erinnerung der Erinnerung“, einer Lehrerfortbildung, sowie Konzepte und erste nutzbare Materialien für die pädagogische Arbeit von Mahn- und Gedenkstätten in der Ukraine.
Die Arbeit mit jungen Menschen und modernen Formaten (Stadtrallye-App, Graphic Novel, Quiz über Stereotype und Antisemitismus, Spiele zu Symbolen des Judentums, konkrete Anleitung zur Projektarbeit „Erinnerung in Schulen“).
Auch ein besonderes Konzept zur digitalen Aufbereitung von Besuchersteinen auf jüdischen Grabstätten wird derzeit entwickelt.

 

Die Projektpartner

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf ist mit 7000 Mitgliedern die drittgrößte Gemeinde in Deutschland und betreibt eine Grundschule, das Albert-Einstein-Gymnasium, das Nelly-Sachs-Elternheim und die größte Kindertagesstätte Düsseldorfs. Die jüdischen Kulturtage sind ebenfalls überregional bekannt. Auch die Erinnerungsarbeit über die Shoa und die Aussöhnung mit Belarus und der Ukraine sind ein wichtiges Anliegen der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Die Düsseldorfer Gemeinde ist besonders intensiv mit der Ukraine verbunden, zahlreiche Mitglieder haben die Shoa in der Ukraine selbst überlebt oder ermordete Verwandte zu beklagen.
Partner sind u.a. das Museum für die Geschichte und Kultur der Juden der Bukowina, das Judaistik Institut der staatlichen Mohyla Akademie, das historische Museum der Stadt Kiew und die Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus Düsseldorf.
„Erinnerung lernen“ wird vom Auswärtigen Amt und der deutschen Botschaft in Kiew im Rahmen des „Ausbaus der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland 2018“ gefördert. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen.